Stream-Check 2026, zweiter Lauf

Wo Radiostreams keine Titel liefern

Im ersten Stream-Check fehlte bei jedem vierten Sender der Titel. Jetzt habe ich die Messung wiederholt und die deutsche Liste auf alle 16 Bundesländer erweitert. Das Bild ist genauer geworden und es ist ein anderes als zuerst gedacht.

Von Felix Wallerius · Messung vom 2. November 2026

Kurz gesagt
  • Von 995 geprüften deutschen Streams liefern 54 % einen Titel mit. Bei 34 % steht nur der Sendername im Stream, bei 12 % ist das Feld leer oder fehlt.
  • 337 Streams (34 %) laufen über denselben Streaming-Anbieter. Auf allen 337 steht nur der Sendername, nie ein Titel. Das erklärt rund drei von vier der Streams ohne Titel.
  • Ohne diesen Anbieter liefern 82 % der 658 übrigen Streams einen Titel.
  • In den Niederlanden zeigt sich bei lokalen Sendern ein klares Gefälle: Von den regionalen und lokalen Streams liefern 40 % einen Titel, bei den nationalen sind es 89 %.
  • Die Zahlen stammen aus eigenen Stichproben und sind nicht repräsentativ.

Was sich gegenüber dem ersten Lauf geändert hat

Der erste Lauf vom 24. Oktober zählte 190 deutsche Sender, mit einem Schwerpunkt auf Baden-Württemberg. Das hat die Stichprobe verzerrt. Ich habe deshalb mit einem kleinen Skript aus dem offenen Radio-Browser je Bundesland bis zu 40 weitere Sender ergänzt, nämlich die am häufigsten gehörten, deren Stream erreichbar war. Zusammen mit der alten Liste ergeben sich 995 gezählte Streams. In zehn Ländern kamen 40 neue Streams dazu, in den anderen weniger, weil es dort weniger erreichbare Einträge gab oder die Streams schon in der alten Liste standen.

Außerdem habe ich den niederländischen Lauf wiederholt. Von 1.253 Adressen waren diesmal 776 erreichbar und lieferten Audio. Zwischen den beiden Läufen liegt gut eine Woche, viele Ergebnisse haben sich nicht geändert. Bei einzelnen Sendern wechselt der Titelstatus von Lauf zu Lauf, etwa weil gerade ein Jingle läuft.

Gezählt wird diesmal der einzelne Stream, nicht mehr die Marke. Die Zahlen sind deshalb nicht direkt mit dem ersten Beitrag vergleichbar.

Das Gesamtbild

Titel im Stream (539)nur Sendername (340)leer oder ohne Angabe (116)
Titeldaten bei 995 deutschen Streams. Eigene Stichprobe, Stand 2. November 2026.

Ein Anbieter erklärt den größten Teil

Die Server-Kennung im Antwortkopf zeigt, welche Software den Stream ausliefert. Bei 337 der 995 Streams steht dieselbe Kennung. Auf allen 337 kommt nur der Sendername an. Ein Titel fehlt dort ohne Ausnahme. In der niederländischen Liste ist es genauso: 48 Streams mit dieser Kennung, alle ohne Titel.

BefundStreamsmit Titel
Alle deutschen Streams99554 %
davon mit dieser einen Server-Kennung3370 %
alle übrigen65882 %

Die 337 Streams verteilen sich auf 61 Server-Adressen. Es sind überwiegend große Privatsender mit vielen Zusatzkanälen, deshalb kommen so viele Streams zusammen. Wer die Zahl als Zustand der ganzen Branche liest, überschätzt das Problem. Für kleine Sender sagt sie wenig aus.

Bei drei der größten Marken dieser Gruppe habe ich im Quelltext der Website Hinweise auf einen eigenen Dienst des Anbieters gefunden, über den der Player vermutlich Titel und Cover bezieht. Auf der Website erscheint der Titel dann, im Stream selbst fehlt er. Für Player von Dritten, für Autoradios und für Smart Speaker hieße das: Sie sehen nur den Sendernamen. Das habe ich nicht im laufenden Betrieb nachgemessen und bei den übrigen Marken habe ich es nicht geprüft. Ob jeder Kunde dieses Anbieters einen solchen Dienst nutzt, weiß ich nicht.

Die Bundesländer im Vergleich

Ohne die Streams mit der auffälligen Kennung ergibt sich für die Länder dieses Bild. Die Stichproben sind klein, die Prozentwerte schwanken deshalb stark. Ich nenne nur Länder mit mindestens 16 Streams.

BundeslandStreamsmit Titel
Hessen3694 %
Berlin und Brandenburg (gemeinsam geführt)3294 %
Bayern3892 %
Bremen2391 %
Niedersachsen8090 %
Hamburg2789 %
Saarland3985 %
Baden-Württemberg10983 %
Brandenburg1883 %
Thüringen3882 %
Sachsen1782 %
Mecklenburg-Vorpommern2479 %
Rheinland-Pfalz2075 %
Berlin3468 %
Sachsen-Anhalt1644 %
Nordrhein-Westfalen4040 %

In Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt ist das Titelfeld auffällig oft leer: bei 60 % beziehungsweise 44 % der Streams. Ob das ein Muster ist oder an der Auswahl liegt, kann ich mit dieser Stichprobe nicht sagen. Schleswig-Holstein fehlt in der Tabelle: Von 40 Streams haben dort 31 die auffällige Kennung, es bleiben nur 9 übrig.

Niederlande: Lokale Sender liefern seltener Titel

Das Gefälle zwischen groß und klein, das ich im ersten Lauf gesehen hatte, bestätigt sich in der niederländischen Liste.

GruppeStreamsmit Titel
National („landelijk“)13689 %
Übrige (Quelle: „Overige“)44883 %
Regional und lokal, alle19240 %
Regional und lokal, ohne die auffällige Kennung14453 %

Selbst wenn man die Streams mit der auffälligen Kennung herausrechnet, bleibt bei den regionalen und lokalen Sendern ein Rückstand von mehr als 30 Prozentpunkten gegenüber den nationalen. Bei 44 % dieser Streams ist das Titelfeld leer. Woran das liegt, zeigt die Messung nicht. Infrage kommen Metadaten, die am Server nicht eingeschaltet oder nicht mit der Sendeautomation verbunden sind.

Was das für Sender heißt

  • Prüfen Sie Ihren Stream selbst. Die Prüfliste im ersten Beitrag dauert fünf Minuten.
  • Fragen Sie Ihren Dienstleister konkret. Zum Beispiel: Sendet mein Stream Metadaten im ICY-Format und wo schalte ich sie ein?
  • Wenn der Titel nur auf der Website erscheint, kommt er über einen eigenen Weg an. Autoradio, Smart Speaker und fremde Player sehen ihn dann nicht.

Grenzen der Messung

  • Es sind Momentaufnahmen vom 2. November 2026. Bei Jingles und Werbeblöcken kann das Titelfeld kurz leer sein.
  • Die Auswahl ist nicht repräsentativ. Die deutschen Streams stammen aus einer von Nutzern gepflegten Datenbank. Je Bundesland habe ich die am häufigsten gehörten ergänzt. Baden-Württemberg ist wegen der ersten Liste noch am stärksten vertreten (256 von 995 Streams).
  • Die niederländische Liste wird nach eigener Angabe nicht mehr aktualisiert. Gezählt wurden nur Streams, die liefen: 776 von 1.253 Adressen.
  • Ich habe nur den Titel im Stream selbst geprüft. Titel, die über eine eigene Schnittstelle kommen, habe ich nur bei drei Marken gefunden und nicht systematisch erfasst.
  • Ich habe geprüft, ob ein Titel ankommt, aber nicht ob er richtig ist.

Kostenloser Stream-Check für Ihren Sender

Ich prüfe Ihren Stream gern und schicke Ihnen eine kurze Auswertung mit konkreten Hinweisen. Das ist kostenlos und verpflichtet zu nichts. Schreiben Sie mir die Stream-Adresse: kontakt@ondial.de

Wer das schreibt

Ich bin Felix Wallerius und entwickle Ondial, einen Webplayer für Radiosender. Ich habe ein eigenes Interesse an dem Thema. Ich habe deshalb darauf geachtet, nur Zahlen zu nennen, die sich nachprüfen lassen. Ondial ausprobieren

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