Stream-Check 2026

Vier von zehn deutschen Radiostreams haben kein HTTPS

Ein Radiostream kann einwandfrei laufen und trotzdem auf der eigenen Website stumm bleiben. Der Grund liegt oft in der Adresse: http:// statt https://.

Von Felix Wallerius · Messung vom 2. November 2026

Kurz gesagt
  • Von 995 geprüften deutschen Streams werden 589 (59 %) per HTTPS ausgeliefert. 406 (41 %) nicht.
  • In der niederländischen Liste sind es 664 von 776 (86 %). Bei 14 % fehlt HTTPS.
  • Zwischen den Bundesländern liegen Welten: In Schleswig-Holstein laufen nur 20 % der geprüften Streams über HTTPS, in Rheinland-Pfalz 85 %.
  • Die Zahlen stammen aus eigenen Stichproben und sind nicht repräsentativ.

Warum HTTPS bei Streams zählt

Eine Website mit HTTPS darf Inhalte, die über unverschlüsseltes HTTP kommen, nicht ohne Weiteres einbinden. Browser blockieren das oder versuchen, die Adresse auf HTTPS umzustellen. Gibt es unter der HTTPS-Adresse keinen Stream, bleibt der Player stumm. Fast alle Websites laufen heute mit HTTPS, ein Stream ohne HTTPS lässt sich deshalb auf der eigenen Senderseite oft gar nicht einbinden.

Auch bei Apps ist HTTPS der Standard. Apple verlangt für iPhone-Apps grundsätzlich verschlüsselte Verbindungen, Ausnahmen sind möglich, aber aufwendig. Wer einen Stream in einer App oder einem Webplayer anbieten will, braucht in der Praxis eine HTTPS-Adresse.

Was ich geprüft habe

Dieselben Streams wie im zweiten Stream-Check: 995 gezählte deutsche und 776 niederländische Streams, Messung vom 2. November 2026. Ein Stream gilt als per HTTPS ausgeliefert, wenn die Adresse, unter der er nach allen Weiterleitungen tatsächlich Audio lieferte, mit https:// beginnt. Ob ein Sender dieselbe Adresse zusätzlich per HTTPS anbietet, habe ich nicht getestet.

Die Ergebnisse

ListeStreamsper HTTPS ausgeliefert
Deutschland99559 %
Niederlande77686 %

Deutschland nach Bundesland

Ich nenne Länder mit mindestens 30 Streams. Die Prozentwerte schwanken bei kleinen Stichproben stark.

BundeslandStreamsohne HTTPSper HTTPS ausgeliefert
Rheinland-Pfalz40685 %
Nordrhein-Westfalen40978 %
Thüringen381074 %
Sachsen-Anhalt421369 %
Bayern391269 %
Baden-Württemberg25610260 %
Berlin401660 %
Niedersachsen1144759 %
Hamburg401757 %
Sachsen401855 %
Saarland402245 %
Hessen422443 %
Mecklenburg-Vorpommern342235 %
Schleswig-Holstein403220 %

Nach Server-Kennung

Auch die Software, die den Stream ausliefert, macht einen Unterschied. Bei den sechs häufigsten Kennungen in der deutschen Liste liegt der Anteil zwischen 41 und 81 %. Das spricht dafür, dass HTTPS oft eine Frage der Voreinstellung beim Dienstleister ist und nicht des einzelnen Senders. Welche Software welchen Wert hat, nenne ich hier nicht, weil die Stichprobe pro Kennung klein ist.

Was Sender tun können

  1. Adresse ansehen: Beginnt Ihre Stream-Adresse mit http://? Dann ersetzen Sie testweise http:// durch https://, lassen den Rest der Adresse gleich und prüfen sie im nächsten Schritt. Manche Server antworten auf diese Adresse bereits. Beginnt Ihre Adresse schon mit https://, ist dieser Schritt erledigt.
  2. Mit curl testen:
    curl -sI https://STREAM-ADRESSE
    Kommt eine Antwort mit 200 und einem Audio-Inhaltstyp wie audio/mpeg, funktioniert die HTTPS-Adresse.
  3. Dienstleister fragen: Gibt es für meinen Stream eine HTTPS-Adresse mit gültigem Zertifikat und kostet sie extra?
  4. Adresse im Player ändern: Tragen Sie die HTTPS-Adresse in Ihrem Webplayer oder Ihrer App ein und testen Sie auf Handy und Rechner.

Das Zertifikat muss zur Adresse passen. Bei einer Zertifikatswarnung bricht der Browser die Verbindung ab.

Grenzen der Messung

  • Momentaufnahme vom 2. November 2026. Streams können sich ändern.
  • Die Auswahl ist nicht repräsentativ. Die deutschen Streams stammen aus einer von Nutzern gepflegten Datenbank. Baden-Württemberg ist wegen der ersten Liste am stärksten vertreten. Je Bundesland wurden bis zu 40 weitere, häufig gehörte Streams ergänzt.
  • Die Senderlisten enthalten teils ältere Adressen. Manche Sender bieten möglicherweise inzwischen eine HTTPS-Adresse an, die in der Liste noch nicht steht. Das habe ich nicht geprüft.
  • Die niederländische Liste wird nach eigener Angabe nicht mehr aktualisiert. Gezählt wurden nur Streams, die liefen: 776 von 1.253 Adressen.

Kostenloser Stream-Check für Ihren Sender

Ich prüfe Ihren Stream gern und schicke Ihnen eine kurze Auswertung mit konkreten Hinweisen. Das ist kostenlos und verpflichtet zu nichts. Schreiben Sie mir die Stream-Adresse: kontakt@ondial.de

Wer das schreibt

Ich bin Felix Wallerius und entwickle Ondial, einen Webplayer für Radiosender. Ich habe ein eigenes Interesse an dem Thema. Ich habe deshalb darauf geachtet, nur Zahlen zu nennen, die sich nachprüfen lassen. Ondial ausprobieren

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