Anleitung
Titeldaten im Webradio einrichten: Icecast, SHOUTcast und eigene Quellen
Wenn auf dem Sperrbildschirm und im Auto nur der Sendername steht, liegt das fast immer an der Quelle der Titeldaten. Diese Anleitung zeigt, wo ein Titel herkommen kann, wie Sie jeden Weg in wenigen Minuten selbst prüfen und welche Fehler am häufigsten sind.
- Ein Titel kann auf drei Wegen zum Player kommen: im Stream selbst (ICY), über die Statusseite des Streaming-Servers oder aus einer eigenen Datei des Senders.
- Jeder Weg lässt sich mit einem Befehl oder einem Aufruf im Browser prüfen.
- Häufige Fehler: nur der Slogan statt des Titels, eine Nummer vor dem Interpreten, kaputte Umlaute und eine Datei, die der Browser nicht lesen darf.
- Zeigt der Stream selbst keinen Titel, sagt das nichts darüber, ob der Sender ihn anderswo veröffentlicht.
1. Woher kommt der Titel?
Ein Player kennt den aktuellen Titel nicht von selbst. Er bekommt ihn auf einem von drei Wegen:
- Im Stream (ICY-Metadaten). Der Player fragt den Stream mit dem Header
Icy-MetaData: 1ab. Der Server antwortet miticy-metaintund schiebt in festen Abständen einen Textblock der FormStreamTitle='Interpret - Titel';in den Audiostrom. Das ist der Weg, den Autoradios und die meisten Apps nutzen. - Über die Statusseite des Servers. Icecast und SHOUTcast veröffentlichen den laufenden Titel zusätzlich als Seite oder JSON-Datei.
- Aus einer eigenen Datei des Senders. Viele Sender pflegen für ihre Website oder App eine eigene Datei oder Schnittstelle mit dem aktuellen Titel, unabhängig vom Stream.
Diese Wege müssen nicht dasselbe liefern. Ein Sender kann im Stream nur den Slogan senden und auf der Website den echten Titel zeigen. Das ist weder falsch noch ungewöhnlich, es erklärt aber, warum ein Player mit nur einem Weg leer ausgeht.
2. Selbst prüfen
ICY im Stream
Auf Linux, macOS oder in der WSL zeigt dieser Befehl den Titel, der gerade im Stream steht:
curl -s -H "Icy-MetaData: 1" --max-time 20 STREAM-ADRESSE | grep -a -o "StreamTitle='[^']*'" Kommt nichts, prüfen Sie zuerst die Kopfzeilen:
curl -s -H "Icy-MetaData: 1" -D - -o /dev/null --max-time 5 STREAM-ADRESSE Taucht icy-metaint auf, sendet der Server Metadaten. Steht im Block nur der Sendername oder ein Slogan, kommt der Titel auf diesem Weg nicht an. Bei manchen Servern erscheint der Titel erst nach dem nächsten Wechsel, dann etwas länger warten (--max-time 60).
Icecast
Rufen Sie im Browser https://SERVER:PORT/status-json.xsl auf. Unter icestats steht je Mountpoint ein Eintrag unter source. Das Feld title enthält meist „Interpret - Titel“, manchmal gibt es zusätzlich artist. Manche Betreiber haben die Seite abgeschaltet oder nur intern erreichbar gemacht.
SHOUTcast
Version 1 liefert unter /7.html eine Zeile mit Kommas, das letzte Feld ist der Titel. Version 2 kennt /currentsong?sid=1 (nur der Titel als Text) und /stats?sid=1&json=1 (Feld songtitle). Die Stream-Nummer sid kann bei Ihnen eine andere sein.
Eigene Datei des Senders
Öffnen Sie die Website des Senders mit dem laufenden Player, drücken Sie F12 und wählen Sie den Reiter „Netzwerk“. Filtern Sie nach json oder meta. Meist taucht eine Datei auf, die sich alle paar Sekunden erneuert und den aktuellen Titel enthält. Ihre Adresse ist die Quelle.
3. Typische Fehler
- Slogan statt Titel. Im Stream steht während der Musik nur der Sender oder ein Werbespruch. Der echte Titel kommt über eine andere Quelle.
- Nummer vor dem Interpreten. Die Quelle liefert „01 Interpret - Titel“ oder trägt den Listenplatz im Feld
artistein. Der Player zeigt dann die Nummer als Interpreten an und findet kein Cover. - Alles in einem Feld. Interpret und Titel stehen zusammen im Titelfeld, getrennt durch „ - “. Das lässt sich trennen, solange der Trenner eindeutig ist.
- Kaputte Umlaute. ICY-Blöcke haben keine Angabe zum Zeichensatz. Viele Server senden Windows-1252 oder Latin-1 statt UTF-8, und aus „Ö“ wird ein Zeichenpaar.
- Leere Titel bei Jingles und Werbung. Dann ist das Titelfeld kurz leer. Ein Player sollte den letzten Titel nicht einfach löschen.
- Datei vom Browser nicht lesbar. Eine Website darf Dateien einer anderen Adresse nur lesen, wenn diese den Header
access-control-allow-originsendet (CORS). Fehlt er, scheitert der Abruf im Browser, obwohl die Datei erreichbar ist. Ein Server kann sie trotzdem lesen. - Kein Cover, obwohl der Titel stimmt. Cover kommen aus Musikkatalogen wie Apple Music, Deezer oder MusicBrainz. Was dort nicht steht, etwa DJ-Mixes, Eigenproduktionen oder sehr kleine Labels, bekommt kein Cover.
Ein Beispiel: Radio 1 aus Tschechien
Ein Fall, in dem die drei Wege verschieden aussehen. Die Beobachtungen stammen vom 25. Oktober 2026 und können sich ändern. Sie sind keine Wertung: Viele Sender trennen Anzeige im Stream und auf der Website.
- Der Stream
https://icecast2.play.cz/radio1-192.mp3sendeticy-metaint: 16000. Der ICY-Titel lautete während der MusikRADIO 1 - NENÍ JINÁ ALTERNATIVA, also nur den Slogan. - Die Website des Senders liefert den laufenden Titel als Datei, zum Beispiel
{"title":"CLUELESS","artist":"BEACH BUNNY"}. - Bei anderen Titeln steht alles im Feld
title(01 Huminal - Waves [This Never Happened],artistleer) oder im Feldartistnur eine Nummer. - Die Datei erlaubt keinen Abruf direkt von einer fremden Website (kein CORS-Header). Ein Server kann sie lesen.
Ein Player, der nur den Stream liest, zeigt hier den Slogan. Wer die Datei zusätzlich liest und Nummern entfernt, zeigt den echten Titel.
4. Einrichtung in Ondial
Wenn Sie wissen, woher Ihr Titel kommt, ist die Einrichtung in Ondial kurz. Es gibt nur zwei Angaben: die Stream-Adresse und, falls Sie eine haben, die Adresse der Quelle.
- Sender anlegen. Öffnen Sie app.ondial.de, legen Sie einen Sender an und tragen Sie die Stream-Adresse ein. Die Vorschau rechts startet automatisch.
- Metadaten-URL eintragen (optional). Unter „Erweiterte Einstellungen“ steht „Metadaten-URL (optional)“. Lassen Sie das Feld leer, liest Ondial den Titel aus dem Stream. Haben Sie eine Statusseite oder eine eigene Datei gefunden (Abschnitt 2), tragen Sie deren Adresse ein. Das Format müssen Sie nicht angeben: Ondial erkennt ICY, Icecast, SHOUTcast und gängige JSON-Dateien selbst.
- In der Vorschau prüfen. Nach dem Start erscheint der Titel nach wenigen Sekunden. Kontrollieren Sie Interpret und Titel getrennt und den Verlauf unter „History“.
Ondial liest die Metadaten auf dem Server, nicht im Browser des Hörers. Dadurch spielt die CORS-Sperre keine Rolle. Es entfernt führende Nummern vor dem Interpreten, trennt „Interpret - Titel“ und liest Umlaute auch dann richtig, wenn der Server Windows-1252 sendet. Meldungen, die nur aus Sendername, Frequenz oder einem Platzhalter bestehen, zeigt der Player nicht als Titel an. Das Cover sucht Ondial in mehreren Musikkatalogen. Findet sich dort nichts, bleibt das Senderlogo stehen.
5. Wenn es nicht klappt
- Prüfen Sie die Quelle zuerst ohne Player (Abschnitt 2). Kommt dort kein Titel, liegt es an der Quelle.
- Kommt der Titel dort an, nicht aber im Player, schicken Sie mir die Stream-Adresse und, falls vorhanden, die Adresse der Datei oder Statusseite: kontakt@ondial.de. Ich schaue nach und baue neue Formate ein.
- Kein Titel auf keinem Weg: Fragen Sie Ihren Streaming-Dienstleister, ob die Metadaten für Ihren Mountpoint eingeschaltet sind und ob die Sendeautomation sie liefert.
Weiterlesen: Bei jedem vierten Radiostream fehlt der Titel. Das Ergebnis meiner Messung an 190 deutschen Sendern.